Flankenspiel · ein Plan für Weiß

Valencia Opening

3/3
1.d3e52.Nd2

Weiß überlässt Schwarz absichtlich das ganze Zentrum. Dahinter baut Weiß eine umgekehrte Philidor-Mauer und wartet darauf, dass die Bauern sich übernehmen.

Bescheidener könnte der erste Zug kaum sein. 1.d3 erhebt gar keinen Anspruch. Nach 1...e5 folgt Weiß mit 2.Sd2. Das blockiert den Läufer auf c1 und lädt Schwarz ein, sich das Zentrum nach eigenem Geschmack zu bauen. Es sieht nach nichts aus. Tatsächlich ist es der Hanham-Aufbau aus der Philidor-Verteidigung, gespielt mit einem vollen Tempo mehr. Das heißt: d3 und Sd2 bereiten e4 vor, gefolgt von c3, Sgf3 und einer ruhigen Läuferentwicklung.

Die Wette ist ebenso psychologisch wie positionell. Der Gegner bekommt ein kostenloses Zentrum und muss sofort entscheiden, wie viel davon er nimmt. Nimmt er zu viel, werden die Bauern zur Zielscheibe für den Konterschlag, den Weiß seit dem ersten Zug vorbereitet. Nimmt er zu wenig, gleicht Weiß die Raumbilanz mit e4 aus und spielt eine normale Partie. Dabei überspringt Weiß jede Seite der Theorie.

Der ehrliche Preis ist Passivität. Schiebt Weiß nur Figuren hin und her und landet nie den Vorstoß e4 oder f4, wird die Stellung leise zu einer schlechteren Version von allem. Diese Eröffnung belohnt Spieler, die Philidor-Strukturen von der anderen Seite kennen. Sie belohnt auch Spieler, die gern mit einem Tempo mehr kontern. Spielern, die hoffen, die Eröffnung liefere ihnen den Plan gleich mit, bringt sie nichts.

Der Plan von Weiß

Weiß vollendet die kleine Mauer: Sgf3, c3, e4, ein bescheidener Läuferzug, Rochade. Danach behandelt Weiß Schwarz' Raum als Zielscheibe, nicht als Drohung. Das Mehrtempo des umgekehrten Aufbaus fließt in einen gut getimten Schlag: einen Zentrumsbauern im richtigen Moment abtauschen oder mit f4 den Punkt e5 angreifen. Absorbieren, provozieren, und dann das große Zentrum sich selbst rechtfertigen lassen.

Der Plan von Schwarz

Schwarz sollte den angebotenen Raum ohne schlechtes Gewissen nehmen. Die Züge sind ...d5, ...Sf6, ...Sc6 mit vernünftiger Entwicklung. Dann aufhören. Das Zentrum gewinnt, wenn es intakt bleibt, während Schwarz die Entwicklung abschließt. Es verliert, wenn es sich vorschnell in Weiß' vorbereitete Vorstöße stürzt. Ruhige, klassische Züge und die Weigerung, etwas zu erzwingen, lassen Weiß ohne Ideen zurück.

Auf Klubniveau

Auf Vereinsniveau (1600–2000 bei Lichess) taucht die Stellung nach 1.d3 e5 in etwa 2,27 Millionen Partien auf. Weiß wählt 2.Sd2 nur in 7,4 % der Fälle. Trotzdem erzielt der Zug mit 53 % das beste Ergebnis der zwölf häufigsten weißen Versuche, die die Datenbank dort listet. Steht die Valencia Opening erst auf dem Brett (167.763 Partien), greift Schwarz meist mit 2...d5 nach mehr Zentrum. Dieser Zug erscheint in 53,2 % der Partien, erzielt aber nur 47 %. 2...Sf6 (13,1 %) läuft ebenfalls auf 47 %. 2...Sc6 (11,8 %) schneidet von den großen drei mit 49 % am besten ab. Der bescheidene Aufbau kommt weiter, als er aussieht.

Live-DatenbankLichess 1600–2000 · Blitz + Schnellschach
Valencia Opening168k Partien · Schwarz am Zug
ZugWeiß / Remis / SchwarzHäufigkeitPartienPunkte
53%89k47%
13%22k47%
12%20k49%
6.3%11k49%
5.7%9.6k49%
5.7%9.6k45%
0.9%1.6k43%
0.8%1.3k48%
0.5%86951%
0.4%65945%
Berühmte Partien in dieser Linie6 Meisterpartien
Kadric, D. (2515)Gusain, H. (2461)2017½–½Bach, Matthias (2307)Hammer, Jon Ludvig (2610)20110–1Caire, François (2474)Matin, Boris (2402)2011½–½Bach, Matthias (2263)Breier, Andreas (2384)20130–1Bouhallel, Rabah (2330)Jossien, Remy (2276)20060–1Dutschak, Hauke (2320)Niedermaier, Hans (2255)19990–1
Helden dieser Eröffnung Hammer, Jon Ludvig · Breier, Andreas · Jossien, Remy · Niedermaier, Hans
Kategorie
Flankenspiel
Erster Zug
Other
ECO
A00
Linie
1. d3 e5 2. Nd2
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