Zukertort Defense: Kingside Variation
Schwarz beantwortet 1.Sf3 damit, einen Springer an den Rand zu stellen und trotzdem zu fianchettieren. Der Springer erreicht f5, bevor Weiß die Kuriosität einkassiert.
Der Springer auf h6 sieht nach einem Anfängerfehler aus, hat in diesem Aufbau aber eine klare Aufgabe. Von h6 kann er nach f5 fallen, wo er sich gegen d4 lehnt. Anders als ein Springer auf f6 blockiert er den f-Bauern nicht, sodass ...f5-Aufbauten verfügbar bleiben. Kommen ...g6 und ...Lg7 hinzu, hat Schwarz ein stimmiges, wenn auch exzentrisches Schema am Königsflügel. Zum Namen: 1.Sf3 ist die Zukertort-Eröffnung, benannt nach dem großen Meister des 19. Jahrhunderts Johannes Zukertort. Das Etikett „Verteidigung" markiert lediglich Schwarz' Antwort: Diese Linie war nie seine.
Der Haken kommt sofort. Sobald ...g6 erscheint, kann Weiß mit Lxh6 den Springer wegnehmen, bevor der Läufer auf g7 überhaupt existiert. Schwarz schlägt mit dem Läufer von f8 zurück. Schwarz behält das Läuferpaar, aber der Läufer landet auf h6 statt auf der langen Diagonale, und der ganze Sinn des Aufbaus ist neu geordnet. Ob dieser Abtausch tatsächlich Weiß begünstigt, ist wirklich unklar. Auf Vereinsniveau sagen die Ergebnisse: fast ausgeglichen.
In Büchern verficht niemand diese Eröffnung, und bei einem Wochenendturnier begegnet man ihr höchstens einmal. Sie lebt im Online-Schach, wo die Überraschung echt ist: Gegner verbrennen Bedenkzeit mit der Entscheidung, ob sie den Springer bestrafen oder ignorieren sollen, und die falsche Wahl schenkt Schwarz genau das unausgewogene Mittelspiel, auf das diese Linie aus ist.
Nimm das Zentrum und bleib ruhig. Breite Bauernzüge wie c4 oder e4 bewirken mehr als jeder Versuch, den Springer direkt zu widerlegen, und du solltest früh entscheiden, wie du zu Lxh6 stehst. Es vor dem Erscheinen von ...Lg7 zu schlagen ist der einzige Moment, in dem der Abtausch ein positionelles Argument mitbringt. Danach entwickle normal, behalte das Feld f5 im Auge, und behandle das wie jede Fianchetto-Verteidigung, bei der du das größere Stück vom Brett besitzt.
Vollende den Plan, der den Springer rechtfertigt. Bringe ...Lg7, wenn es erlaubt ist, sichere dir mit ...c5 oder ...d6 einen Anteil am Zentrum, und halte Ausschau nach dem Moment, in dem ...Sf5 d4 mit echter Wirkung angreift. Halte dem f-Bauern die Optionen offen: Der Zug ...f5 ist mit ein Grund, warum der Springer überhaupt nach h6 gezogen ist. Schlägt Weiß auf h6, keine Panik: Du hast das Läuferpaar, und deine Aufgabe wird es, die Stellung so weit zu öffnen, dass es zählt.
Auf Vereinsniveau (1600–2000 bei Lichess) ist das eine ausgesprochene Randerscheinung: nur 8.471 Partien in der Community-Datenbank. Trotzdem ist es der Hauptweg, wie Spieler mit der Stellung umgehen: Nach 1.Sf3 Sh6 2.d4 (9.849 Partien) ist 2...g6 mit 39,1 % die Topwahl, und Weiß erzielt dagegen nur 50 %. Aus dieser Stellung versucht Weiß 3.c4 (20,1 % der Partien, 51 %), 3.e4 (19,3 %, 52 %), 3.Lf4 (14,2 %, 49 %) und das kritische 3.Lxh6 (6,7 % der Fälle, 50 %). Nichts davon ähnelt einer Bestrafung. Genau das ist das Argument, es online zu versuchen.
- Familie
- Zukertort Defense
- Kategorie
- Flankenspiel
- Erster Zug
- 1.Nf3
- ECO
- A04
- Linie
- 1. Nf3 Nh6 2. d4 g6